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Der deutsche Gesetzgeber verhindert die Selbstverantwortung durch das Maklermandat.

Der deutsche Gesetzgeber verhindert die Selbstverantwortung durch das Maklermandat.


Der deutsche Staat fordert immer wieder die Eigeninitiative der Bürger. Sie sollen selbst mehr tun. Sie sollen zur eigenen Altersvorsorge beitragen und die staatlich geförderten Maßnahmen nutzen. Eigeninitiative ist gefragt, sich nicht auf den Staat verlassen. So weit, so gut. In der Tat sollte man sich nicht darauf verlassen, dass der Staat schon alles regelt. Auch dieser unterliegt Schwankungen und kann nicht in die Zukunft sehen. Was vor 30 Jahren mit der Rente unserer Eltern noch gut geklappt hat funktioniert heute aufgrund der inzwischen oft benannten Gründe nicht mehr. Unternehmer wissen, das Vertrauen und Verlässlichkeit gut und wichtig sind, sich aber zu 80 oder gar 100 % auf die Unterstützung eines anderen zu verlassen ist gefährlich und existenzbedrohend, so auch beim Verlassen auf den Staat und dessen Versorgung und Rente.

Also ist mehr eigenes zu tun gar nicht schlecht. Das heißt der Einzelne sollte sich mehr mit seinem Geld und damit wie viel er später davon braucht beschäftigen. Wie gesagt, so weit, so gut.

Was dann nicht mehr dazu passt ist, das diese Eigenverantwortung bei der Unterschrift eines Maklermandates nahezu aufhört. Mit der Unterzeichnung des Mandates und Beauftragung eines Finanz- und Versicherungsmaklers holt sich der Kunde eine wichtige und die einzige unabhängig Hilfe ins Haus, die er bekommen kann. In Sachen Haftung und gerichtlichen Urteilen verhält es sich aber inzwischen so extrem, das der Makler für alles haften soll, was im Zuge dieser Beratung und Vermittlung passiert. Es geht mir nicht um falsche Beratung oder Unkenntnis des vermittelten Produktes. Das sollte natürlich nicht passieren und Fachwissen muss Grundvoraussetzung sein. Und zwar über den Produktprospekt hinaus.

Es geht mir um die Fälle bei denen Kunden Jahre später kommen (mit einem Blick wie ein neugeborenes Kätzchen) und erklären, dass sie dies oder das ja gar nicht wussten! Es geht mir um die grundsätzliche Kenntnis unserer Bevölkerung in Sachen Geld und Finanzprodukte. Auch eine Versicherung ist ein Finanzprodukt, wenn ein Kunde eine Rentenversicherung als Sparvorgang abschließt. Und die Gründe dies so zu tun sollte er schon selbst entdeckt haben. Er könnte ja genauso auch in einen Fonds sparen, also sollte auch er Interesse daran haben die Unterschiede zu hinterfragen. Beim Autokauf geht’s doch auch!?

Die Eigeninitiative und vor allem die Selbstverantwortung für eine getroffene Entscheidung sollten nicht dann aufhören, wenn der Kunde ein Maklermandat unterzeichnet. Bei der Bank oder beim Versicherungsvertreter hat er diese ja auch in größeren Teilen selbst zu tragen. Falschberatung und Fachwissen ebenfalls ausgeschlossen, das muss auch hier stimmig sein. Allerdings kommen Bank und Versicherungsvermittler besser davon, wenn es um Produkte geht, die deren Haus gar nicht anbieten. Dann wiederum unterstellt der Verbraucherschutz, dass der Kunde wissen muss zu welchem Anbieter er geht. Der Makler indes soll an alles denken, was der Kunde hat, was er nicht hat und haben müsste und am besten noch was er zukünftig vielleicht noch haben wird und deswegen braucht. Und das am besten schon beim ersten Gespräch. Leider sieht die Praxis oft anders aus. Kunden haben wenig Zeit für Gespräche, lassen große Zeiträume zwischen den Terminen verstreichen und verstehen auch nicht warum das Gespräch oder die Beratung beim Makler und Finanzdienstleister so lange und zeitaufwendig ist. Und dann steht trotz allen sorgfältig geführten Gesprächen und Informationen immer noch das Risiko, dass der Kunde nicht alles erzählt hat, weil es ihm selbst unwichtig erschien. Wenn etwas schief läuft ist unter Umständen der Makler durch sein Mandat der Blöde.

Der Gesetzgeber muss Kunden schützen, dafür ist er da und Verbraucherschutz ist wichtig. Allerdings neigt unser deutscher Staat dazu diese Vorgaben sehr zu überspannen. Eigeninitiative beim Kunden ist wichtig, ich fördere und fordere diese schon lange. Allerdings muss diese schon im Vorfeld beginnen. Menschen müssen sich mit Finanzen und Versicherungen beschäftigen, wenn Sie bessere Ergebnisse haben wollen. Unser Staat muss dies ermöglichen in dem er endlich in den Schulen einen Platz dafür schafft. Wenn Jugendliche die Schule verlassen müssen sie die Basics in Sachen Finanzen kennen. Sie müssen wissen, wo der Unterschied zwischen einem Bausparvertrag und einem Investmentfonds ist. Sie müssen wissen das 0,5 % Zins nicht gerade zum Vermögensaufbau beitragen. Sie müssen wissen, welche Versicherungen in Deutschland für sie wichtig sind und warum.

Nur dann werden langfristig Fehlentscheidungen vermieden, dass Finanzverständnis der deutschen Bevölkerung steigt und wirtschaftliche Probleme wie Altersarmut, Verschuldung und falsch gekaufte Produkte (egal durch wen ausgelöst) verringern sich.
Ein unabhängiger Berater ist wichtig und hilft, er liefert den Zugang zu besseren Lösungen und bildet die zweite Meinung. Er spiegelt die Situation des Kunden. Sich selbst mit den Basics vertraut zu machen ist unerlässlich.

Man operiert sich ja auch nicht selbst, nach dem Lesen eines medizinischen Buches. Sich mit seiner Diagnose zu beschäftigen, zu recherchieren, den besten Arzt und Klinik zu suchen und selbst zu wissen, was gemacht werden soll und wie, wäre für mich bei einem größeren Eingriff selbstverständlich.

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